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Presseberichte 2010
Viele Fischer, aber keine Fische
Interessengemeinschaft will ökologischen Zustand an der
Renchmündung entscheidend verbessern
Wie kann der ökologische Zustand an der Renchmündung
verbessert werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die IG Rench und
Vertreter des Regierungspräsidiums bei einem Vor-Ort-Termin in Helmlingen.
Rheinau-Helmlingen (red/bru). Dieser Tage fand ein
Ortstermin der IG Rench mit Vertretern des Regierungspräsidiums Freiburg an
der Renchmündung bei Helmlingen statt. Die IG Rench ist ein Zusammenschluss
der acht Angelvereine, die an der Rench Fischereilose gepachtet haben, und
einigen privaten Fischpächtern. Ziel dieser Interessengemeinschaft ist unter
anderem, das Erreichen und Erhalten eines guten ökologischen Zustandes der
Rench, teilt die IG in einer Presseinformation mit.
Klärung zeigt Wirkung
Diese Zielrichtung deckt sich mit denen der
EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), deren Umsetzung bis zum Jahre 2015
vorgesehen ist. Bis dahin sollen die Oberflächengewässer in einen guten
ökologischen und chemischen Zustand versetzt werden. Der gute chemische
Zustand ist bereits jetzt weitgehend erreicht. Hier zeigt die
flächendeckende Abwasserreinigung in den Kläranlagen gute Wirkung. Dagegen
gibt es im ökologischen Bereich noch große Defizite, weil viele
Querverbauungen die Durchgängigkeit der Flüsse behindern und viele
Gewässerabschnitte kanalisiert sind. Eine Renaturierung ist häufig nicht
mehr oder nur noch ansatzweise möglich. An der Renchmündung besteht das
konkrete Problem, dass durch die Staustufe Iffezheim der Wasserstand im
Rhein angehoben und das Rheinwasser in die Rench gedrückt wird. Dieser
unnatürliche Rückstau in der Rench mit häufig und schnell wechselnden
Wasserständen reicht von der Mündung bis auf Höhe von Memprechtshofen. Zwei
mittels Elektrofischerei durchgeführte Kontrollen haben ergeben, dass von
einem vorhandenen Fischbestand fast nicht mehr die Rede sein kann. Zur
Umsetzung der EGWRRL wurde die Renchmündung in den Bewirtschaftungsplan und
das dazugehörende Maßnahmenprogramm aufgenommen. Vor Ort wurden nun
Möglichkeiten erörtert, wie die negativen Auswirkungen der Stauhaltung
abgemildert werden könnten. Der Einbau von Buhnen sowie der Rückbau der
Landzunge an der Nordseite der Renchmündung scheinen hierzu geeignet.
Insgesamt müsste es aber wohl ein ganzes Maßnahmenbündel sein, um den
gewünschten Erfolg zu erreichen. Da die Zeit drängt, will das
Regierungspräsidium Freiburg noch in diesem Jahr mit allen Beteiligten wie
Fischereibehörde, Landratsamt Ortenaukreis sowie Wasser- und Schifffahrtsamt
eine Besprechung vornehmen. Weil der Zusammenfluss der Rench in den Rhein im
Landkreis Rastatt liegt, müssen die dortigen Behörden und das RP Karlsruhe
ebenfalls beteiligt werden. Ziel der Besprechung wird sein, eine
Konzeptstudie in Auftrag zu geben, auf deren Grundlagen schließlich die
vorzunehmenden Maßnahmen beschlossen und die hierzu benötigten Mittel
beantragt werden können, so die IG Rench.

Vertreter der IG Rench und des
Regierungspräsidiums sowie Helmlingens Ortsvorsteher Manfred Kress (Zweiter
von rechts) trafen sich zu einem Vor-Ort-Termin.
»Projekt hat Vorbildcharakter«
Ein Großteil der rund 700 000 Euro Kosten kommt aus einem EU-Fördertopf /
Deichrückbau in Erlach
Der Spatenstich für den Deichrückbau am Dienstag an der
Rench, oberhalb von Erlach, war Startschuss für ein Projekt des
Regierungspräsidiums, das nicht nur für den Hochwasserschutz, sondern auch
für die Ökologie Vorbildcharakter hat. Von Peter Meier
Renchen-Erlach. Bürgermeister Bernd Siefermann
begrüßte zum Spatenstich Vertreter des Regierungspräsidiums mit
Referatsleiter Bernhard Burkart an der Spitze, vom Landratsamt Bernhard
Vetter, den Planer Klaus Kern sowie Vertreter der IG Rench und
Bauunternehmer Armin Fautz. »Ein recht langer, aber sehr guter Weg liegt
hinter uns«, betonte er und freute sich, dass die durch Mittel der EU
unterstützte Maßnahme zur Renaturierung und zum Hochwasserschutz jetzt
beginnen kann. Zwei Bauabschnitte umfasst die Maßnahme, mit der an der Rench
auf einer Länge von 650 m ein Retentionsvolumen von 65 000 Kubikmetern
zurückgewonnen wird. Im ersten Abschnitt wird bis November der rechtsseitige
Deich abgetragen und mit der Renchumgestaltung begonnen. In einem weiteren
Abschnitt wird ab Mai 2011 mit dem Abtragmaterial der linksseitige Deich zur
Verbesserung des Hochwasserschutzes verstärkt und erhöht. Danach werden die
Rench und die neue Überflutungsfläche bis zum Lößhang als natürlicher
Begrenzung weitgehend ihrer Entwicklung überlassen, so dass nach und nach
eine naturnahe Flussaue entsteht. »Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verlangt,
dass auch in eingedeichten Flussabschnitten, insbesondere zur Aufwertung der
Fischlebensräume, ökologische Verbesserungen vorgenommen werden «, betonte
Burkart. Mit dem Rückbau der monotonen Deichlinie zu einer dynamischen
Struktur werde dieses Ziel in Angriff genommen. Er sah aber noch einen
weiteren Effekt: Die ökologische Gewässerentwicklung sei wesentlicher
Schritt zur Wiederansiedlung des Lachses und anderer Wanderfischarten in der
Rench. Bis zum Abschluss der Maßnahme werden rund 30 000 Kubikmeter
Erdmaterial abgefahren und an anderer Stelle für Deichsanierungen verwendet,
weitere 11 000 Kubikmeter Erdmaterial werden umgelagert. Die Baukosten
bezifferte Burkart einschließlich Planung auf 700 000 Euro, 50 Prozent der
Nettokosten, rund 300 000 Euro, werden aus einem EU- ördertopf zur
Wiederansiedlung des Lachses finanziert. Bernhard Vetter, Leiter des Amtes
für Wasserwirtschaft und Bodenschutz beim Landratsamt Ortenau, bezeichnete
es als entscheidende Voraussetzung für die Wiederansiedlung der Wanderfische
in ihren Laichgebieten. Handlungsschwerpunkte an der Rench seien unter
anderem das Henneteichwehr bei Renchen und das Müllener Wehr. Rund 30
Wanderungshindernisse gab es an der Rench, die meisten im öffentlichen
Besitz wurden bereits zu »rauen Rampen« umgebaut. Er wünschte, dass das
Projekt des Deichrückbaus bei Erlach »Leuchtturmfunktion « für andere
Gewässer haben wird. Für die IG Rench machte Martin Braun deutlich, dass von
der Durchlässigkeit und der Renaturierung nicht nur der Lachs als Leitfisch
profitiert, sondern alle Lebewesen im Wasser und am Ufer bis hin zu den
Wasservögeln, von daher sei das Projekt sehr zu begrüßen.

Beim Spatenstich, von links: Klaus Kern, Bernhard Burkart,
Ortsvorsteher Herbert König, Bürgermeister Bernd Siefermann, Wolfgang
Lehmann, Oliver Well, Armin Fautz und Bernhard Vetter.
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